Glück kommt in Bewegung

Veröffentlicht am 15. August 2026 um 20:07

Im Japanischen sagen wir „Un ga ii“ (運がいい), wenn jemand Glück hat. Das Interessante daran ist das Schriftzeichen – „Un“.

Dasselbe Zeichen steckt auch im japanischen Verb „hakobu“ (運ぶ). Es bedeutet unter anderem: etwas tragen, transportieren oder von einem Ort zum anderen bewegen.

Ich finde diesen Zusammenhang faszinierend.

Denn man könnte darin fast ein kleines Bild erkennen:

Wo etwas in Bewegung kommt, kann auch „Glück“ entstehen.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Bewegung automatisch Glück bringt. Sprache und Schriftzeichen funktionieren nicht ganz so einfach. Aber als Gedanke passt es erstaunlich gut zu dem, was mich auch im Feng Shui beschäftigt:

Bewegung. Fluss. Zirkulation.

Ein Fenster öffnen und frische Luft hereinlassen.
Möbel umstellen.
Dinge aussortieren.
Besuch bekommen.

Oft reichen kleine Veränderungen, und plötzlich fühlt sich ein Raum anders an.

Vielleicht ist das kein Zufall.

Stillstand tut Räumen nicht gut

Im Feng Shui spielt der Fluss des Qi – der Lebensenergie – eine zentrale Rolle. Für mich geht es dabei nicht um bestimmte Gegenstände oder Farben, die angeblich Glück bringen. Viel wichtiger ist, dass Energie fließen kann.

Und dafür muss man nicht immer etwas hinzufügen. Oft hilft das Gegenteil: Dinge aussortieren, Platz schaffen und wieder Bewegung in den Raum bringen.

Frische Luft und neue Impulse

Am einfachsten erleben wir das beim Lüften. Ein offenes Fenster – und schon fühlt sich ein Raum anders an.

Ähnlich ist es beim Umräumen. Ein Möbelstück verschieben, lange unberührte Dinge herausnehmen oder etwas aussortieren. Dabei entdeckt man gelegentlich auch Staub und Spinnweben, von denen man lieber nichts gewusst hätte. 😉

Auch Besuch bringt neue Impulse ins Haus: andere Stimmen, Gespräche und Gedanken. Ein Zuhause ist ein Rückzugsort, darf aber gleichzeitig ein Ort der Begegnung sein.

Freiraum für den Alltag

Ein überfüllter Schrank, ein voller Kühlschrank oder ein Schreibtisch, auf dem die Dinge „nur kurz“ abgelegt wurden – kennen wir vermutlich alle.

Für mich ist Stauraum nicht dann gut geplant, wenn jeder Zentimeter gefüllt ist. Ein bisschen Luft darf bleiben.

Denn gute Ordnung bedeutet nicht Perfektion. Sie bedeutet, dass ich finde, was ich brauche, und mein Alltag funktioniert, ohne dass ich ständig etwas suchen muss.

Freiraum im Kopf

Mit unseren Gedanken ist es ähnlich.

Wenn wir gleichzeitig an Termine, Aufgaben und unerledigte Dinge denken, wird es schwierig, sich auf eine Sache zu konzentrieren oder neue Ideen entstehen zu lassen.

Deshalb sehe ich eine Verbindung zwischen einem gut organisierten Raum und mentaler Klarheit: Weniger visuelle Unruhe, klare Abläufe und feste Plätze für unsere Dinge entlasten uns im Alltag.

Ein guter Raum nimmt uns Arbeit ab.

Und genau das ist für mich eine wichtige Aufgabe von Interior Design.

Auch Beziehungen brauchen Bewegung

Auch in Beziehungen tut manchmal ein neuer Impuls gut: jemandem schreiben, Freunde einladen, einen neuen Ort besuchen oder mit neuen Menschen ins Gespräch kommen.

Natürlich brauchen wir genauso Rückzug und Ruhe. Aber manchmal reicht es schon, selbst ein kleines Fenster zu öffnen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

Bewegung hält nicht nur Räume, sondern auch unser Leben lebendig.

Räume, in denen man tief durchatmen möchte

Ich möchte Räume gestalten, in denen man beim Eintreten unbewusst einmal ausatmet – und danach gerne wieder tief einatmet.

Und damit komme ich zurück zum japanischen Zeichen : Es steht für „Glück“, aber auch für Bewegung.

Vielleicht liegt genau darin eine schöne Idee: Wo etwas in Bewegung kommt, kann auch Neues entstehen.

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